EU-Informationszentrum feierte 10-jähriges Bestehen

Pressenachlese – Quelle: Nürnberg Nachrichten, Autorin: Stephanie Siebert 

Europa: Ein Wort, das bei den meisten Deutschen gemischte Gefühle auslöst. Mangelnde Transparenz, überbordende Bürokratie, zu wenig Bürgernähe, „Teuro“: Das sind Schlagworte, die im Zusammenhang mit der EU immer wieder auftauchen. Gegen Vorurteile und für sachliche Aufklärung der Bürger setzen sich die Mitarbeiter des EU-Informationszentrums am Hauptmarkt seit zehn Jahren ein. Am 23. Februar 2012  feierte „Europe Direct“ Geburtstag.

Barbara Sterl, Michael Fraas und Henning Arp (von links) feiern das zehnjährige Bestehen des "Europe Direct"-Informationszentrums im Nürnberger Rathaus. Hier bekommt man unkompliziert und schnell Informationen rund um die Arbeit der Europäischen Kommission. 

Foto: Hagen Gerullis

Sie hat den direkten Draht nach Brüssel: Barbara Sterl leitet das Europe-Direct-Informationszentrum im Rathaus. Wer eine Frage zur EU hat, kann zu ihr und ihren Mitarbeitern kommen. Das Angebot wird gern wahrgenommen: „Das Interesse an Europa wächst“, sagt Sterl. Ob Lissabon-Vertrag, EU-Normen oder der Rettungsschirm für Griechenland, die Europa-Experten haben auf alles eine Antwort – und einen direkten Draht zur EU-Kommission, die bei komplexeren Fragen weiterhelfen kann. „Sie machen europäische Themen in Nürnberg sichtbar“, lobte auch Wirtschaftsreferent Michael Fraas.

Darf das Auto mit auswandern?

Die gewünschten Auskünfte sind häufig praktischer Natur: Da fragt ein Deutscher, ob er im Falle einer Auswanderung nach Frankreich sein Auto mitnehmen kann und ob er es verzollen muss. Oder ein Student möchte ein Jahr in Schweden studieren und sich über die Möglichkeiteninformieren. Oder Unternehmen wollen ausloten, ob Fördermittel für sie infrage kommen. Oder Lehrer benötigen entsprechendes Material für ihren Unterricht. Doch auch im Alltag der Nürnberger ist die EU allgegenwärtig: 60 Prozent aller Gesetze, die für die Kommune relevant sind, stammen aus Brüssel.

Die Arbeit des Nürnberger Büros wird auch dort wahrgenommen. Henning Arp, Leiter der Vertretung der EU-Kommission in München, lobt den Einsatz von Barbara Sterl und ihren Mitarbeitern. „Die Stadt Nürnberg betrachtet die Europaarbeit nicht als Stiefkind, sondern hat sie in der Stadt verankert. Das Informationszentrum ist zentraler Bestandteil dieser Arbeit. Und das merkt man der Qualität auch an.“ Nürnberg habe ein europäisches Gesamtkonzept.

Ganz hat es das Nürnberger Europa-Team aber nicht geschafft, das Misstrauen der Bürger gegenüber der EU abzustellen. Auch beim „Nürnberger Rathausgespräch zu Europa“ anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Informationszentrums wurde deshalb immer wieder betont, welche Vorteile die Deutschen durch die EU haben – angefangen bei den Fördermitteln, von denen 2010 vier Millionen Euro in EU-geförderte Projekte nach Nürnberg flossen, bis hin zur Reise- und Arbeitnehmerfreizügigkeit.

In seiner Festrede unterstellte Oberbürgermeister Ulrich Maly Deutschland eine „ADAC-Mentalität. Jeder beschwert sich über die hohen Beiträge, bleibt aber trotzdem dabei, damit im Notfall die Gelben Engel kommen und helfen“, so der OB. Die Perspektive, aus der man Europa betrachte, sei entscheidend: „Wir haben die deutsche Brille auf.“ Die Deutschen sollten aber versuchen, das ganze Europa im Blick zu haben. „Wenn wir Exportweltmeister sind, müssen andere Länder Schulden machen, um unsere Produkte zu bezahlen.“ Auch mahnte er, Deutschland solle seine Rolle als „leading nation“ (führende Nation) demütig ausführen, nicht hochmütig.

Bei der Podiumsdiskussion mit den EU-Abgeordneten Martin Kastler (CSU) und Kerstin Westphal (SPD), Michael Fraas, Henning Arp und Umweltreferent Peter Pluschke ging es auch um aktuelle Probleme in der Europapolitik: Bei der Anerkennung beruflicher Qualifikationen in anderen europäischen Ländern gebe es noch Nachholbedarf, so Arp. Westphal forderte außerdem Mindestlöhne, um ausländische Fachkräfte nach Deutschland zu locken.

Quelle: Nürnberg Nachrichten, Autorin: Stephanie Siebert