Flexiblere Visavorschriften für Touristen, Geschäftsleute und Studenten

Wenn Nicht-EU-Bürger in die EU reisen wollen, sind sie häufig mit langwierigen und kostspieligen Visaverfahren konfrontiert.

Foto: ec.europa.eu

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Das soll sich nach den Vorstellungen der EU-Kommission ändern. Die jetzt vorgestellten Vorschläge betreffen vor allem Touristen oder Geschäftsreisende, die sich kurzzeitig in der EU aufhalten. Mit den Visaerleichterungen will die EU-Kommission positive Anreize für Wachstum und Arbeitsplätze im Tourismus und in benachbarten Sektoren wie der Gastronomie schaffen.

Das Reformpaket zur Änderung der Visavorschriften sieht u.a. vor, Visaanträge einfacher online stellen zu können, die Bearbeitungszeiten von 15 auf 10 Tage zu verkürzen und Kurzaufenthaltsvisa direkt an den Außengrenzen erteilen zu können. Außerdem soll ein neues „Rundreise-Visum“ eingeführt werden, mit dem sich Reisende ein Jahr im Schengen-Raum aufhalten dürfen (ohne allerdings in einem Mitgliedstaat länger als 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen zu bleiben).

„Europa braucht eine intelligentere Visumpolitik. Wir müssen für Touristen, Geschäftsleute, Wissenschaftler, Studenten, Künstler und Kulturschaffende attraktiver werden. Unsere Visumpolitik stellt jetzt stärker auf ökonomische Aspekte ab, um unsere Wirtschaft anzukurbeln und neue Arbeitsplätze zu schaffen; gleichzeitig sorgen wir an unseren Grenzen weiterhin für ein hohes Maß an Sicherheit“, erklärte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström.

Kommissionsvizepräsident Antonio Tajani, zuständig für Industrie und Unternehmen, erklärte: „In einer Zeit, in der immer mehr Länder den Tourismus als Wachstumsfaktor nutzen und der internationale Wettbewerb sich verschärft, eröffnen wir der europäischen Tourismuswirtschaft mit den überarbeiteten Visavorschriften neue Möglichkeiten. Der Tourismus ist Europas Wachstumsmotor. In der jüngsten Krise hat er sich als die wichtigste Stütze der europäischen Wirtschaft erwiesen.“

Einer aktuellen Studie zufolge haben 2012 insgesamt 6,6 Millionen Bürger aus sechs Drittstaaten mit dem höchsten Anteil an Schengen-Reisenden (China, Indien, Russland, Saudi-Arabien, Südafrika und die Ukraine) wegen zu aufwändiger Visaverfahren auf eine Reise in den Schengen-Raum verzichtet. Dieser Studie war auch zu entnehmen, dass flexiblere und einfachere Visavorschriften die Reisen in den Schengen-Raum allein aus diesen sechs Ländern um 30 bis 60 Prozent erhöhen könnten. Über einen Zeitraum von fünf Jahren könnte sich dies in Mehreinnahmen von über 130 Mrd. Euro (bei Unterkunft und Verpflegung, Beförderungsleistungen, Unterhaltung, Einkäufen usw.) niederschlagen und rund 1,3 Millionen Arbeitsplätze in der Tourismusindustrie und benachbarten Sektoren bringen.

Die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament müssen beiden Verordnungsvorschlägen zustimmen, womit frühestens 2015 zu rechnen ist.

Quelle: Europäische Kommission, Vertretung in Deutschland